Illustration von Helen Quinn und Thābit ibn Qurra

Q – Helen Quinn und Thābit ibn Qurra | Von A bis Z: 48 Forschende, die die Welt veränderten

Von LET’S TECH am 27.04.2021

Wir schreiben das Jahr 836. Der Türke Thābit ibn Qurra wird geboren. Noch weiß niemand, dass er später als Universalgenie gelten wird. Etwa 1000 Jahre nach seinem Tod kommt Helen Quinn auf die Welt. Die Physik hat es ihr angetan – doch als Frau glaubt sie, in der Wissenschaft keine Chance zu haben. Hier erzählen wir dir mehr über die beiden Forschenden, deren Leben so viele Jahrhunderte auseinanderliegen.
Illustration von Helen Quinn
Die Physik faszinierte Helen Quinn schon immer. Doch selbst Wissenschaftlerin werden? Daran hätte sie früher nie gedacht.

Helen Quinn: Physikerin und Wissenschaftsvermittlerin

Helen Rhoda Quinn kam am 19. Mai 1943 in Melbourne, Australien, zur Welt. Schon in der Schule zeigte sie Interesse an Naturwissenschaften, dachte aber nicht daran, eine Karriere in diesem Bereich einzuschlagen. Damals war es für Frauen nicht üblich, in die Forschung zu gehen, da von ihnen erwartet wurde, nach der Ausbildung zu heiraten, Kinder zu kriegen und sich um den Haushalt und die Familie zu kümmern.

It's a man's world: Nur wenige Frauen studierten damals wie Helen Quinn Physik

Die Idee kam Helen Quinn erstmals, nachdem ihre Mathematiklehrerin sie darauf hingewiesen hatte, dass sie gute Voraussetzungen für eine Karriere als Mathematikerin hätte. Da sie ein Talent für Naturwissenschaften zeigte, wurde sie von ihren Lehrenden und ihren Eltern dahingehend gezielt unterstützt.

Nach der Schule begann Helen Quinn an der University of Melbourne zu studieren. Durch ihren Vater, der selbst Ingenieur war, interessierte sie sich für ein technisches Studium. Allerdings verwarf sie den Gedanken wieder, da ein Technik-Studium zu dieser Zeit für Frauen nicht üblich war. 1962, in ihrem zweiten Studienjahr, zog ihre Familie in die USA. Dort absolvierte die Australierin an der berühmten Stanford University ein Physik-Studium. Der Frauenanteil in diesem Gebiet lag zu der Zeit unter zwei Prozent.

Sie konnte nicht anders: Wie Helen Quinn doch zur Wissenschaftlerin wurde

Helen Quinn konnte sich nicht vorstellen, als Wissenschaftlerin erfolgreich sein zu können. Ihr ursprünglicher Plan war deswegen, nach dem Studium Physik zu unterrichten. Allerdings war sie von der Materie so fasziniert, dass sie ihre Pläne über den Haufen warf und Teilchenphysikerin wurde.

Im Laufe ihrer Karriere war Helen Quinn an verschiedenen Hochschulen tätig, unter anderem an der renommierten Harvard University. Sie leistete wichtige Beiträge in der Teilchenphysik und trug damit zu einem besseren Verständnis unserer Welt bei. Die Australierin sagte unter anderem die Existenz eines neuen Elementarteilchens, des Axions, voraus. Bis heute hat es aber noch niemand geschafft, die Existenz dieses Teilchens tatsächlich zu beweisen.

Fotografie von Helen Quinn
Eine wahre Pionierin der Wissenschaft: Dieses Foto zeigt Helen Quinn im Jahr 2000, als sie als erste Frau die Dirac-Medaille für theoretische Physik erhielt. | Quelle: Wikimedia – Dan Quinn (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode)

Immer noch aktiv: Helen Quinn möchte junge Menschen für die Technik begeistern

Seit ihrer Pensionierung engagiert sich Quinn sehr aktiv in der Wissensvermittlung. Junge Menschen für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern, ist ihr ein großes Anliegen. Die Physikerin ist der Ansicht, dass die Methoden einer wissenschaftlichen Arbeitsweise in vielen Bereichen angewendet werden können, und möchte Schülerinnen und Schüler dazu animieren, sich im Alltag kritisch mit Problemstellungen auseinanderzusetzen.

Für ihre wissenschaftlichen Verdienste bekam Quinn zahlreiche Ehrungen, darunter die Benjamin-Franklin-Medaille, eine besonders prestigeträchtige Auszeichnung, die auch anderen berühmten Forschenden wie Ruzena Bajcsy verliehen wurde.

Illustration von Thābit ibn Qurra
Weil man eben meistens nicht nur "ein" Talent hat: Thābit ibn Qurra interessierte sich sowohl für Sprachen als auch für die Mathematik.

Thābit ibn Qurra: Mathematiker und Astronom

Abu al-Ṣābi‘ Thābit ibn Qurra al-Ḥarrānī wurde 836 in Harran, Türkei, geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist fast nichts bekannt. Zunächst war er in seiner Heimatstadt als Geldwechsler tätig, bis er von zwei wohlhabenden Brüdern entdeckt wurde. Thābit war sehr sprachbegabt und konnte neben seiner syrischen Muttersprache auch fließend arabisch und griechisch sprechen. Aus diesem Grund wurde er von den Brüdern eingeladen, bei ihnen in Bagdad die Werke antiker griechischer Mathematiker zu übersetzen.

Ein wahres Universalgenie: Thābit ibn Qurra beschränkte sich nicht nur auf die Mathematik

Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere übersetzte Thābit Schriften der berühmten Mathematiker Archimedes, Euklid und Claudius Ptolemäus ins Arabische. Durch diese Arbeit entflammte seine Begeisterung für die Mathematik, und er begann schon bald eigene Werke zu verfassen.

Heute gilt Thābit ibn Qurra als der wichtigste Mathematiker seiner Zeit. Zu seinen Errungenschaften zählen unter anderem drei neue Beweise für den Satz des Pythagoras und dessen Verallgemeinerung, Arbeiten zu magischen Quadraten und sein Satz zu befreundeten Zahlen.

Bei seinen Übersetzungsarbeiten beschäftigte sich Thābit aber nicht nur mit Mathematik, sondern übersetzte auch medizinische Werke von Hippokrates und philosophische Schriften von Aristoteles. Auch bei seinen Forschungen gingen seine Interessen über die Mathematik hinaus; in der Mechanik gilt er beispielsweise als einer der Begründer der Statik.

Weitreichender Einfluss: Die Schriften von Thābit ibn Qurra las man in ganz Europa

In seinen späteren Jahren verlagerte Thābit seinen Fokus zunehmend auf Astronomie und wurde sogar zum Hofastronom des damaligen Herrschers ernannt. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften, die vor allem von seinen Beobachtungen zu den Bewegungen der Sonne und des Mondes handeln. Damit war der Mathematiker maßgeblich am Entwickeln der islamischen Astronomie beteiligt. Am 18. Februar 901 starb er im Alter von 65 Jahren.

Nach seinem Tod hatten Thābit ibn Qurras Übersetzungen und Werke während des Mittelalters und der Renaissance großen Einfluss auf die europäische Wissenschaft. Seine Arbeiten wurden ins Lateinische übersetzt; eines seiner Werke diente im Mittelalter sogar als Lehrbuch für Mechanik.

Mit seinen Übersetzungen trug der Mathematiker zum Wiederentdecken der antiken griechischen Denker bei und sorgte dafür, dass dieses Wissen nicht verloren ging. Andere berühmte Wissenschaftler, wie Nikolaus Kopernikus, beriefen sich in ihren eigenen Forschungen auf ihn. Für seine Leistungen wurden die Thabit-Zahl und ein Mondkrater nach ihm benannt.

Quellenverzeichnis

International Centre for Theoretical Physics (2013): You could be a Mathematician, [online] https://www.ictp.it/about-ictp/media-centre/news/news-archive/2013/9/helen-quinn.aspx [02.07.2019].

Quantamagazine (2016): A Wormhole Between Physics and Education, [online] https://www.quantamagazine.org/helen-quinn-on-physics-and-education-20161018/ [02.07.2019].

Spektrum der Wissenschaft (2012): Thabit Ibn Qurra (836-901), [online] https://www.spektrum.de/wissen/thabit-ibn-qurra-836-901/1151915 [05.07.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Thābit ibn Qurrah, [online] https://www.britannica.com/biography/Thabit-ibn-Qurrah [05.07.2019].

Foundation for Science, Technology and Civilisation (o.J.): Thabit ibn Qurra, [online] http://muslimheritage.com/article/thabit-ibn-qurra [05.07.2019].

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