ARG Autonomous Racing Graz Robo Race Team

ROBORACE | Wie selbst­fahrende Autos die Rennstrecke erobern: Autonomous Racing Graz im Interview

Von LET’S TECH am 20.07.2021

Uuuund da rast es an dir vorbei. So schnell, dass es aussieht, als würde gar niemand hinter dem Lenkrad sitzen. Aber Moment mal – da sitzt ja wirklich niemand. Ist das möglich? Ja, das ist es! Und an der TU Graz wird eifrig daran gearbeitet, dass so ein selbstfahrendes Auto irgendwann wie jedes andere durch die Straßen fährt: im Team ARG (Autonomous Racing Graz), einer Gruppe junger Forschender. Bis dahin düsen ihre Systeme Rennstrecken in aller Welt entlang. Wie du dir das vorstellen kannst und wie schnell es bei so einem ROBORACE zugeht, erzählt dir das Team ARG hier im Interview!

Autonomous Racing – klingt aufregend! Aber was ist das eigentlich genau?

ARG (Autonomous Racing Graz): Bei Autonomous Racing handelt es sich um autonome Motorsport-Rennen, das heißt Rennen mit Rennautos ohne menschliche*n Fahrer*in.

Seit Juli 2019 nehmen wir dafür an der internationalen Rennserie ROBORACE teil. ROBORACE ist der weltweit erste autonome Wettbewerb von Teams, die selbstfahrende KI (= künstliche Intelligenz) entwickeln: Die beste Software gewinnt. Jedes Team entwickelt für die einzelnen Wettbewerbe die Fahrzeugsoftware – autonom gefahren mit dem einheitlichen, von der Rennleitung bereit gestellten Devbot 2.0.

Aktuell finden die Rennen in Las Vegas statt, aufgrund von COVID sind wir als Team aber in Graz und schicken nur die Software nach Las Vegas, wo sie von Roborace ins Fahrzeug integriert wird.

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Ein Auto, das sich selbst durch die Gegend lenkt: So sieht es aus, wenn ein Devbot 2.0 über die Rennstrecke rast. | Credits: ARG

Abgesehen vom Spaßfaktor: Warum arbeiten Forscher*innen an autonomen Fahrzeugen?

ARG: Weil es die Möglichkeit bietet, unterschiedliche Technologien, Algorithmen und Softwareelement ohne Risiko auch bei hoher Geschwindigkeit zu testen. Das ermöglicht uns, konsequent die Grenzen des technisch Möglichen im Bereich autonomer Fahrsysteme zu testen und zu erweitern. Wir wollen autonomes Fahren am Limit demonstrieren – hohe Geschwindigkeit, diverse Wetterbedingungen – um das Vertrauen in diese Technik und ihre Akzeptanz zu erhöhen. Das Wissen, das wir auf der Rennstrecke sammeln, soll schließlich auf öffentliche Straßen transferiert werden.

Das Team der TU Graz bereitet alles fürs ROBORACE vor.
Um sich aufs ROBORACE vorzubereiten, reicht nicht eine einzige Person – das ist ganz klar Teamwork. | Credits: ARG

Wie lange dauert es, bis so ein autonomes Fahrzeug entwickelt ist? Und Wie viele Personen arbeiten daran?

ARG: Das kann man pauschal leider nicht beantworten, da wir bei unserem Rennteam nicht bei Null begonnen haben – die einzelnen Teammitglieder hatten bereits Vorwissen von ihren Tätigkeiten während des Studiums und der Arbeit. In unserem Team arbeiten 10 Personen, um das Rennfahrzeug automatisiert fahren zu lassen. Weiters kann das Team auch auf Knowhow vom Regelungstechnik-Institut der TU Graz und von Virtual Vehicle Research zurückgreifen. Wobei wir uns nur um die Software kümmern, das Rennauto der Devbot 2.0 wird uns von Roborace zur Verfügung gestellt.

Man kann aber auf jeden Fall sagen, dass ein sehr großer Aufwand in der Entwicklung automatisierter Fahrzeuge für den öffentlichen Straßenverkehr betrieben wird. Die Forschung und Industrie arbeiten eng zusammen und auch viele Unternehmen kooperieren, um gemeinsam die Probleme zu lösen.

Wenn ich hier selbst mitarbeiten möchte: Was muss ich dazu können bzw. wissen?

ARG: Es kann nicht schaden, generell Interesse an der Technik zu haben und auch gerne knifflige Probleme zu lösen. Nachdem moderne Fahrzeuge mittlerweile rollende Computer sind, ist es sehr von Vorteil, Programmierkenntnisse zu haben.

ARG Autonomous Racing Graz am Red Bull Ring zum ROBO RACE
Am Red Bull Ring fahren nicht nur Vettel und Co. Sondern auch die KI des ARG. | Credits: ARG

Knifflige Probleme, rollende Computer – Was ist noch besonders spannend am Autonomous Racing?

ARG: Die Robotik allein ist an sich schon ein spannendes Forschungsthema, doch betrachtet man den ganzen Weg, beginnend vom Konzept über Integration, Simulation und zahlreiche Tests am Fahrzeug, ist die Krönung der mit Teamgeist beflügelte Wettbewerb auf der Rennstrecke. Die Faszination besteht zum einen aus dem kniffligen Zusammenspiel unzähliger Software- und Hardwarekomponenten und zum anderen aus der stufenweisen Erprobung der Funktionalität. ROBORACE ermöglicht uns so den Einsatz von Robotik unter härtesten Bedingungen.

Die Besonderheit der aktuellen Rennsaison „Season Beta“ ist die Integration eines sogenannten Metaverse – eine Mixed Reality, bei der virtuelle Hindernisse, denen es auszuweichen, oder virtuelle Fahrzeuge (Ghost Cars), die es zu überholen gilt, auf der realen Rennstrecke erscheinen. Jedes Rennen ist anders. Man kann sich das ein bisschen wie Mario Kart vorstellen.

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Mario Kart lässt grüßen – mit dem kleinen Unterschied, dass hier echte Fahrzeuge über die Rennstrecke düsen.

Wie schnell fahren die Fahrzeuge bei so einem ROBO RACE?

ARG: Im letzten Rennen sind wir um die 150km/h gefahren, aber bei unserer letzten Testfahrt haben wir schon die 200km/h-Marke geknackt. Wir versuchen, kontinuierlich schneller zu werden.

und Welchen Platz hat das Team ARG derzeit in der ROBORACE-Liga?

ARG: ARG konnte bereits mit einem zweiten und einem ersten Platz in der Season Alpha beachtliche Erfolge erzielen und hält derzeit ex-aequo mit einem weiteren Team den 2. Platz in der laufenden Season Beta (2020/2021).

Eins ist klar: Der Spaß kommt beim ARG nicht zu kurz. | Credits: ARG

Noch mehr über autonomes Fahren erfährst du hier im Science Slam!

Wir danken dem Team ARG für das Interview und wünschen euch ganz viel Power für die nächsten Roboraces!

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