Illustration von Rosalyn Yalow und Shin’ya Yamanaka

Y – Rosalyn Yalow und Shin’ya Yamanaka | Von A bis Z: 48 Forschende, die die Welt veränderten

Von LET’S TECH am 27.04.2021

Der Nobelpreis für Medizin oder Physiologie: Den kann kaum wer sein eigen nennen. Rosalin Yalow und Shin’ya Yamanaka aber können es. Wofür sie jeweils ihren Nobelpreis erhalten haben? Das verraten wir dir hier!
Illustration von Rosalyn Yalow
Mathe? Physik? Oder doch lieber Chemie? Rosalyn Yalow hatte schon als Schülerin viele Interessen.

Rosalyn Yalow: Physikerin und Nobelpreisträgerin

Rosalyn Yalow kam am 19. Juli 1921 unter dem Namen Rosalyn Sussman in New York City, USA, zur Welt. Beide Eltern waren europäische Immigranten, hatten nicht viel Geld und verfügten nicht einmal über einen Highschool-Abschluss. Trotzdem förderten sie ihre Kinder, wo es nur ging. So konnte Rosalyn schon lesen, noch bevor sie überhaupt in den Kindergarten kam, und verbrachte viel Zeit mit Büchern.

Sie setzte sich durch: Rosalyn Yalow wollte Forscherin werden – und wurde es auch

Während ihrer Schulzeit begeisterte sich Rosalyn Yalow zunächst besonders für Mathematik, später für Chemie. Schließlich studierte sie aber doch Physik am Hunter College der City University of New York. In den 1930er-Jahren wurden vor allem in der Nuklearphysik große Erfolge erzielt, weshalb sich die Amerikanerin schließlich für dieses Fachgebiet entschied. Eine zu der Zeit neu erschienene Biografie der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie inspirierte sie zusätzlich und bestärkte sie in ihren Karriereplänen.

Da Physikerin für Frauen damals noch ein eher ungewöhnlicher Beruf war, versuchten Rosalyn Yalows Eltern, sie davon zu überzeugen, lieber Lehrerin zu werden. Sie ließ sich aber nicht von ihrem Wunsch abbringen und erlangte 1945 den PhD in Nuklearphysik. Nach ihrem Doktorat arbeitete die Physikerin ein Jahr lang am Federal Telecommunications Laboratory als einzige weibliche Ingenieurin.

1946 kehrte Rosalyn Yalow ans Hunter College zurück, wo sie bis 1950 Physik unterrichtete. Während dieser Zeit begann sie bereits am Bronx Veterans Administration Hospital als Forscherin zu arbeiten. Dort war die Amerikanerin unter anderem dafür zuständig, neue medizinische Anwendungen von radioaktiven Teilchen zu untersuchen. Gemeinsam mit einem Arzt forschte sie in den darauffolgenden Jahren an einer neuen Messmethode, um kleinste Mengen von Hormonen und anderen medizinisch wichtigen Substanzen in Blut und anderen Körperflüssigkeiten nachzuweisen.

Revolutionäre Forschung: Rosalyn Yalow entwickelte den Radioimmunassay

Bei verschiedenen Untersuchungen von Insulin entdeckte Rosalyn Yalow, dass Diabetikerinnen und Diabetiker, die mit Präparaten aus tierischem Insulin behandelt wurden, Antikörper dagegen entwickelten. In weiterer Folge konnte sie daraus 1959 eine Methode entwickeln, um den Insulinspiegel im Blut zuverlässig zu messen: den Radioimmunassay.

Heute kommt diese Technik in verschiedenen medizinischen Untersuchungen zum Einsatz, etwa um Spuren von Hormonen, Enzymen, Arzneimitteln oder sogar DNA im Körper nachzuweisen. Das ist unter anderem auch dem Umstand zu verdanken, dass Rosalyn Yalow und ihr Partner sich dagegen entschieden, die Technologie zu patentieren. Lieber sollte sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.

Fotografie von Rosalyn Yalow
Immer am Forschen – zum Glück! Sonst hätten wir Rosalyn Yalow wahrscheinlich nicht so viel zu verdanken. | Quelle: Wikimedia (lizenzfrei)

Mehr Frauen in die Technik: Das war Rosalyn Yalow ein großes Anliegen

Im Laufe ihrer Karriere setzte sich Rosalyn Yalow immer wieder für Geschlechtergleichheit in den Naturwissenschaften ein und versuchte, Mädchen zu einer wissenschaftlichen Karriere zu ermutigen. Nach ihrer Arbeit am Bronx Veterans Administration Hospital war sie noch an diversen Hochschulen und Forschungseinrichtungen tätig, bevor sie 1986 in Ruhestand ging. Die Physikerin starb am 30. Mai 2011 im Alter von 89 Jahren.

Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde Rosalyn Yalow vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1977 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Dieser Preis wurde vor ihr erst einer anderen Frau zugesprochen. Der Amerikanerin zu Ehren wurde außerdem der Asteroid Yalow nach ihr benannt.

Illustration von Shin’ya Yamanaka
Auch wenn es bestimmt schmerzhaft war: Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass Shin’ya Yamanaka sich so oft beim Sport verletzte. Wer weiß, ob er sonst je Medizin studiert hätte?

Shin’ya Yamanaka: Arzt und Stammzellenforscher

Shin’ya Yamanaka wurde am 4. September 1962 in Higashiōsaka, Japan, geboren. Schon in jungen Jahren war er sehr sportlich, zog sich bei Rugby und Judo aber viele Verletzungen zu und musste daher oft wegen Knochenbrüchen behandelt werden. Durch die vielen Arztbesuche entwickelte der Japaner ein großes Interesse an Orthopädie und begann nach der Schule, Medizin an der Universität Kōbe zu studieren.

Vom Arzt zum Forscher: Shin’ya Yamanaka wollte lieber ins Labor

Das Studium schloss Shin’ya Yamanaka 1987 erfolgreich ab, wollte dann aber doch nicht als Arzt praktizieren. Als Medizinstudent hatte er bei zahlreichen Autopsien mitgewirkt und dabei seine Leidenschaft für Laborarbeit entdeckt. Darum entschloss der Mediziner sich dazu, eine Laufbahn als Forscher einzuschlagen und begann ein Pharmakologiestudium an der Städtischen Universität Ōsaka. 1993 erlangte er den PhD und ging noch im selben Jahr in die USA, um sich an der University of California auf Gentechnik zu spezialisieren.

1996 kehrte Shin’ya Yamanaka nach Japan zurück, war aber schon bald enttäuscht, da er kaum Unterstützung für seine Forschung bekam. Das änderte sich 2004, als er eine Stelle an der Universität Kyōto bekam. Dort begann er mit der Stammzellenforschung, die ihn später berühmt machen sollte. Er hatte die Idee, eine Methode zu entwickeln, mit der Stammzellen aus normalen Zellen gewonnen werden können.

Stammzellenforschung ohne menschliche Embryonen: Shin’ya Yamanaka machte es möglich

Stammzellen sind eine besondere Art von Zellen, da sie sich in jede beliebige Art von Zelle verwandeln können. Diese kommen allerdings nur bei Embryonen vor; um Stammzellen zu Forschungszwecken zu gewinnen, müssen Embryonen daher zerstört werden. Durch diesen ethischen Konflikt ist die Stammzellenforschung in vielen Ländern nur sehr eingeschränkt bzw. überhaupt nicht erlaubt.

2006 gelang Shin’ya Yamanaka der Durchbruch: Ihm und seinem Team gelang es erstmals, die ausgereiften Zellen einer Maus in Stammzellen umzuwandeln. Im Jahr darauf schaffte er es auch mit menschlichen Zellen. Mit diesem Erfolg konnte der Forscher für eine breitere Akzeptanz der Stammzellenforschung sorgen und erschloss damit ganz neue Möglichkeiten für dieses Gebiet.

Fotografie von Shin’ya Yamanaka
Die Stammzellenforschung machte ihn berühmt: Shin’ya Yamanaka erhielt dafür sogar den Nobelpreis.

Sicherheit geht vor: Shin’ya Yamanka arbeitet ständig daran, seine Methoden noch weiter zu verbessern

Für seine bahnbrechende Entdeckung bekam Shin’ya Yamanaka zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie aus dem Jahr 2012. Er ist nach wie vor an der Universität Kyōto tätig, wo er daran forscht, die Methoden zur Herstellung menschlicher Stammzellen immer weiter zu verbessern. Sein Wunsch ist es, dass sie möglichst schnell sicher in der medizinischen Behandlung eingesetzt werden können.

Quellenverzeichnis

National Centre for Biotechnology Information (2012): Rosalyn Sussman Yalow (1921-2011), [online] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3271914/ [28.08.2019].

NobelPrize.org (o.J.): Rosalyn Yalow Biographical, [online] https://www.nobelprize.org/prizes/medicine/1977/yalow/biographical/ [28.08.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Rosalyn S. Yalow, [online] https://www.britannica.com/biography/Rosalyn-Yalow [28.08.2019].

The New York Times (2007): Risk Taking Is in His Genes, [online] https://www.nytimes.com/2007/12/11/science/11prof.html?pagewanted=all [29.08.2019].

NobelPrize.org (o.J.): Shinya Yamanaka Facts, [online] https://www.nobelprize.org/prizes/medicine/2012/yamanaka/facts/ [29.08.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Shinya Yamanaka, [online] https://www.britannica.com/biography/Shinya-Yamanaka [29.08.2019].

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