Fake News | Wie du bei Social Bots und Co. den Durchblick behältst

Foto von Iris Zechner

Von Iris am 19.05.2021

Hast du schon einmal Erfahrung mit Fake News gemacht? Wahrscheinlich schon: Mittlerweile sind sie überall im Internet zu finden. Aber wie können wir Fake News erkennen? Und was haben Social Bots damit zu tun? Das und noch viel mehr erfährst du hier!

Alles über Fake News: Darum geht es heute im Blog

Fake News: Darum dreht sich unser heutige Blog-Artikel. Wir alle kennen den Begriff. Doch was steckt wirklich dahinter? Hier erfährst du es – und die Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Fake News – was ist das überhaupt?
  • Warum können sich Fake News so schnell verbreiten?
  • Wie funktioniert ein Algorithmus?
  • Was sind Social Bots?
  • Wie kann ich Fake News und Social Bots erkennen?
Ein Protest gegen Fake News - Forschen statt Faken.

Fake News – was ist das überhaupt?

Wie der Name schon sagt: Fake News sind Falschmeldungen. Aber Achtung, das allein reicht nicht als Definition – nicht jede Falschmeldung muss gleich Fake News sein.

Klingt kompliziert? Ist es eigentlich gar nicht. Schauen wir uns das Ganze ein bisschen genauer an.

Fake News sind Falschmeldungen, die ...

  • bewusst und absichtlich in die Welt gesetzt werden
  • auf den ersten Blick nicht als “Fake News” erkennbar sind
  • meist im Internet bzw. über soziale Netzwerke und Medien verbreitet werden
  • das Ziel haben, die öffentliche Meinung zu manipulieren und
  • die reale Welt zu beeinflussen.

Fake News und andere Falschmeldungen: Was den Unterschied ausmacht

Das Ganze lässt sich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Nehmen wir an, wir vom OVE haben gerade einen Schulworkshop zum Thema Fake News veranstaltet. Wenn nun danach berichtet wird: Der OVE veranstaltete einen Workshop für Schüler*innen mit Iris Zechner, 28 Jahre, obwohl ich erst 27 bin, dann ist das bloß ein Fehler und nicht gleich Fake News. Das kann schließlich jedem einmal passieren – und die öffentliche Meinung wird dadurch nicht manipuliert.

Ob ich nun 27 oder 28 Jahre alt bin, ist ja – außer mir selbst – jedem relativ egal: Der*die Leser*in wird aufgrund meines Alters nicht seine Einstellung zum OVE ändern.

Wenn nun aber eine Online-Zeitung berichten würde, dass der OVE in seinem Workshop Schüler*innen politisch in eine bestimmte Richtung lenken will, dann wären das Fake News. Denn so so eine Behauptung ist nicht nur falsch: Sie könnte auch die öffentliche Meinung über den OVE negativ beeinflussen. Vielleicht verlieren wir nun Partnerunternehmen und können den Workshop gar nicht mehr veranstalten – die Fake News hätten somit auch die reale Welt verändert.

Du solltest jetzt wissen, was man unter “Fake News” versteht – dieses Wissen kannst du hier in einem Quiz überprüfen!

Ein Mädchen hält Hand vors Gesicht, um Nein zu Fake News zu sagen
Halt, Stopp! Bei Fake News gibt es nur eine Antwort: ein klares NEIN. | Credits: Unsplash

Warum können sich Fake News so schnell verbreiten?

Die größte Herausforderung bei Fake News ist: Sie verbreiten sich rasend schnell. Wenn unseren “falschen” Fake-News-Beitrag zum OVE-Workshop nur ein paar Leute sehen würden, würden wir uns denken: Naja, halb so schlimm. Wenn er aber mehrere hundert, tausend, vielleicht sogar zehntausend Menschen erreicht, haben wir ein Problem. Denn so ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass die reale Welt durch Fake News tatsächlich verändert wird.

Donald Trump repräsentativ für Fake News, abgebildet in den New York Times

Das wohl bekannteste Beispiel dazu ist die US-Wahl im Jahr 2016: Donald Trump gegen Hillary Clinton. In diesem Wahlkampf wurden sage und schreibe 200 Millionen Dollar für Fake News ausgegeben. Ganz sicher werden wir wahrscheinlich nie sagen können, ob der Wahlkampf ohne Fake News anders ausgegangen wäre. Doch es ist gut möglich, dass sie das Ergebnis beeinflusst haben.

Aber warum erreichen Fake News so viele Menschen? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns einmal an, wo Fake News am häufigsten geteilt werden. Das ist natürlich auf Social Media – Facebook, Twitter & Co. Und wie ihr vielleicht wisst: Beiträge mit vielen Interaktionen finden dort auch viel Publikum. Das heißt, dass ein Beitrag mit zahlreichen Likes, Angry-Faces und Kommentaren mehr Menschen im Feed angezeigt wird.

Da Fake News meist provokativ oder kontrovers sind – also die Menschen stark geteilte Meinungen dazu haben – regen sie diese Interaktionen an. Algorithmen auf Social Media erkennen dann, dass viele Menschen auf den Fake-News-Beitrag reagieren. Und schon rutscht er bei noch mehr Nutzer*innen ganz oben in den Feed – was natürlich dazu führt, dass noch mehr Menschen den Beitrag sehen und darauf reagieren werden. Fake News bekommen so ein richtiges Eigenleben.

Fake News & Algorithmen – aber wie funktioniert ein Algorithmus überhaupt?

Wir halten fest: Fake News regen auf Social Media viele Interaktionen (Likes, Kommentare etc.) an. Algorithmen erkennen das und pushen den Beitrag, sodass ihn noch mehr Menschen sehen. Aber wie funktioniert das?

Ganz allgemein ist ein Algorithmus eine Reihe von Anweisungen, die Schritt für Schritt ausgeführt werden, um damit eine bestimmte Aufgabe oder ein bestimmtes Problem zu lösen. Ein sehr einfaches Beispiel dafür wäre ein Kochrezept: Schritt für Schritt gehst du die Anleitung durch, um das Gericht zu kochen. Wenn es fertig ist, hast du die “Aufgabe” erledigt.

Mann schaut von der Couch aus Netflix
Netflix schafft es irgendwie immer, uns Serien anzuzeigen, für die wir den Fernseher dann doch noch nicht ausschalten. Wie das geht? Natürlich mit einem Algorithmus. | Credits: Unsplash

Aber auch die Videovorschläge, die du auf Netflix angezeigt bekommst, basieren auf einem Algorithmus. Oder die Routenberechnung mit einem Navigationssystem. Hier wurden einzelne Anweisungen als Softwareprogramm formuliert – also programmiert – und können so mit einem Computer ausgeführt werden.

Falls du beim Thema Algorithmus noch ein wenig genauer hinschauen möchtest: Hier gibt’s alle wichtigen Infos als Video!

Künstliche Intelligenz (KI): Eine besondere Art von Algorithmen

Natürlich sind die wenigsten Algorithmen so simpel wie ein Kochrezept. Je komplizierter es wird, desto mehr Anweisungen muss man eingeben. Und irgendwann werden es einfach zu viele. Wie geht man bei so einem komplizierten Algorithmus vor?

Hier kommt KI ins Spiel. KI steht für “Künstliche Intelligenz” und ist der Versuch, menschliches Lernen und Denken auf einen Computer zu übertragen. Das heißt: Anstatt für jede Aufgabe Schritt für Schritt und Anweisung für Anweisung programmiert zu werden, kann eine KI in einem bestimmten Rahmen eigenständig Antworten finden und selbstständig Probleme lösen.

Das richtige Training: So lernen Computer, fast wie ein Mensch zu denken

Damit das funktioniert, müssen KIs trainiert werden – das heißt, sie werden mit Trainingsdaten gefüttert. Das können zum Beispiel Zahlen, Bilder aber auch Töne sein, je nachdem, wofür die KI trainiert wird. Wenn wir zum Beispiel ein Programm schreiben wollen, das Wölfe erkennt, werden wir es mit Fotos von Wölfen füttern: So lernt es, wie ein Wolf aussieht.

Wie gut unser Programm dann tatsächlich ist, hängt von der Qualität der Trainingsdaten ab. Wenn wir unser Wolf-Programm etwa nur mit Wolf-Fotos füttern, kann es danach wahrscheinlich nicht zwischen einem Hund und einem Wolf unterscheiden: Das hat die künstliche Intelligenz dann nicht gelernt.

Ein Wolf auf einem Stein im Wald
Wolf oder kein Wolf? | Credits: Unsplash

Social Bots: Künstliche Intelligenzen, die Fake News verbreiten können

Ein Programm, das Wölfe erkennt: Klingt ja recht harmlos. Aber KIs werden leider auch für weniger harmlose Zwecke verwendet. In Verbindung mit Fake News sind hier besonders Social Bots für uns interessant.

Social Bots sind KIs, die täuschend echt Inhalte (z. B. Bilder, aber auch Text) erzeugen und sogar mit anderen Nutzer*innen agieren. Sie sind ein Beispiel für Algorithmen, deren Zweck es ist, eine bestimmte Meinung zu erzeugen bzw. Stimmung zu machen. Häufig werden sie genutzt, um Werbung zu verbreiten oder eine mehrheitliche Meinung vorzutäuschen.

Mädchen schaut genervt auf Handy
5 neue Anfragen! – Und alle sind sie von Social Bots. Irgendwie schon ärgerlich. | People photo created by valuavitaly - www.freepik.com

Social Bots, Social Bots everywhere!

Bestimmt seid ihr selbst auch schon einmal einem Social Bot begegnet – zum Beispiel bei euren Anfragen auf Instagram oder Facebook. Besonders auf Instagram werden Social Bots häufig genutzt, um sogenannte “Brand Ambassadors” zu finden: Nutzer*innen, die ein bestimmtes Produkt bewerben. Der Social Bot ist dann ein Fake-Profil, das dieselbe Nachricht an unzählige Personen verschickt.

Solche Fake-Profile sind zwar vielleicht nervig, aber richten meist keinen großen Schaden an. Kritischer wird es dann, wenn Social Bots für Zwecke wie politische Propaganda eingesetzt werden. Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass ein Fake-Profil immer dann, wenn in einem Beitrag “Trump” vorkommt, einen Kommentar hinterlässt:

Trump ist der Beste! Ich kann es kaum erwarten, bis Sie wieder unser Präsident sind.

Manche Social Bots können sogar auf Diskussionen zu einem bestimmten Thema eingehen. Zusammen mit den richtigen Fotos wirkt so ein Profil oft täuschend echt – und dabei ist es bloß ein Computer, der da für Donald Trump wirbt.

Wie kann ich Social Bots und Fake News erkennen?

Ein Fake-Profil ist auf den ersten Blick oft kaum von einem “echten” zu unterscheiden. Doch es gibt ein paar Fragen, die du dir stellen kannst, um den Social Bot zu entlarven:

  • Was verrät die Profilbeschreibung?
    Wenn in der Bio gar nichts steht, könnte das schon ein erster Hinweis darauf sein, dass es sich nicht um einen echten Menschen handelt.
  • Wie aktiv ist der Account?
    Die Person aus deinen Instagram-Nachrichten hat 0 Follower und noch keinen einzigen Beitrag geteilt? Klingt ganz klar nach Social Bot. Aber auch extrem aktive Accounts sind verdächtig: Wenn jemand in einem Monat mehrere tausend Kommentare schreibt, kann dieser Jemand eigentlich nur ein Computer sein.
  • Wie schnell reagiert der Account?
    Extrem schnelle Antworten weisen darauf hin, dass das Profil ein Social Bot sein könnte. Denn Computer “tippen” natürlich viel schneller als Menschen.
  • Wie reagiert der Account auf Fragen, die vom eigentlichen Thema abweichen?
    Wie oben beschrieben werden KIs mit Daten trainiert. Ein Social Bot, der für Trump Stimmung machen soll, wird wahrscheinlich wenig über Grünkohl oder Pferde wissen. Wenn du Bots aus dem Kontext gerissene Fragen stellst, wissen sie meist nicht, wie sie reagieren sollen: Die Antwort macht dann wenig Sinn, und du hast den Social Bot entlarvt.

Bot or not? Finde es heraus!

Social Bots auf frischer Tat zu ertappen kannst du übrigens auch üben! Das New Yorker Design- und Forschungsstudio Foreign Objects hat eine Art Spiel entwickelt, in dem du erkennen musst, ob du mit einem echten Menschen oder einem Bot sprichst. Probiere es hier aus!

Fake News. Ein Bot sitzt auf einer Bank und liest eine Zeitung
Na gut, der Kerl hier auf der Bank sieht ja recht sympathisch aus. Aber KIs können auch für weniger sympathische Zwecke eingesetzt werden. | Credits: Unsplash

Fake News erkennen: So entwickelst du ein Auge für Falschnachrichten

Auch bei Fake News gibt es einige Hinweise, die dir zeigen: Diese Nachricht stimmt wahrscheinlich nicht. Auf folgende Dinge solltest du achten:

  • Gibt es eine Quellenangabe?
  • Wird jemand/eine Gruppe von Menschen gezielt beschuldigt?
  • Passen die Bilder zur Überschrift/zum Text?
  • Ist die Sprache emotional/reißerisch? 
  • Werden sehr viele Ausrufezeichen verwendet?
  • Wurde die Nachricht von einer seriösen Quelle verbreitet?

Auch das kannst du üben: Mit dem Fake-News-Bingo von saferinternet.at! Schaut mal durch eure Facebook-Feeds und probiert es aus. Wer entdeckt die meisten Fake News?

Fake News? Keine Chance! | Credits: Unsplash

Fake News: Jetzt bist du gewappnet!

Wenn du es bis hierher geschafft hast, kann man dich mittlerweile wohl als Expertin bzw. Experten für Fake News bezeichnen. Gratulation!

Du weißt nun, was Fake News sind, was sie bezwecken und wie du sie erkennen kannst. Das Wichtigste, was wir dir hier mitgeben möchten, ist aber Folgendes: Bleib kritisch. Immer. Schau dir vor allem reißerische Nachrichten genau an und frage dich: Entspricht das wirklich der Wahrheit? Oder sind es vielleicht doch Fake News?

Fake News – und das ist ein Fakt – sind ein ernstzunehmendes Problem. Ein Problem, das mit neuen technischen Entwicklungen immer größer wird. Weil immer schlauere Algorithmen programmiert werden können. Aber wir sind uns sicher: Gemeinsam kommen wir dagegen an!

Und wenn du mehr gegen Fake News tun willst als beim Scrollen den Hausverstand einzuschalten, dann ist der Weg in die IT wohl der richtige für dich. Denn am besten schlägt man Fake-News-Verbreiter mit ihren eigenen Waffen: Mit Algorithmen, die Fake News erkennen. Und noch schlauer sind.

Die faktischen Informationen in diesem Beitrag stammen, sofern nicht anders angegeben, vom AIT Austrian Institute for Technology. Wir bedanken uns herzlich für die Zusammenarbeit! Hier gibt’s das Fake-News-Video vom AIT zum Nachschauen.

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