Illustration von Grace Hopper und Stephen Hawkings

H – Grace Hopper und Stephen Hawking | Von A bis Z: 48 Forschende, die die Welt veränderten

Von LET’S TECH am 27.04.2021

Neue Wege gehen: Das ist etwas, das Grace Hopper und Stephen Hawking auf jeden Fall gemeinsam hatten. Von Programmiersprachen und der US-Marine, von Schwarzen Löchern und Serienauftritten – hier erfährst du mehr über die beiden Forschenden, die man wohl tatsächlich als "Genies" bezeichnen kann.
Illustration von Grace Hopper
Eine Sprache, die Computer verstehen können? Was lange als unmöglich galt, machte Grace Hopper zur Realität.

Grace Hopper: Informatikerin und Erfinderin der Programmiersprachen

Grace Hopper kam am 09. Dezember 1906 unter dem Namen Grace Brewster Murray in New York City, USA, zur Welt. Bereits als Kind war sie von Technik fasziniert und baute zu Hause Wecker auseinander, um zu sehen, wie sie funktionieren. Die Schule besuchte sie in New Jersey.

Mark I, II und III: Grace Hopper war bei der Entwicklung der ersten elektronischen Computer dabei

1928 schloss Grace Hopper ihr Bachelorstudium in Mathematik am Vassar College ab, danach ging sie an die renommierte Yale University, wo sie 1934 den PhD erlangte. Die Amerikanerin begann am Vassar College zu unterrichten und blieb in dieser Position bis 1943. Während des Zweiten Weltkriegs beschloss Hopper, dass sie gerne ihrem Land dienen möchte, und gab ihre Lehrstelle auf, um der aktiven Reserve der US-Marine beizutreten.

Nach dem Abschluss ihrer Marine-Ausbildung wurde Grace Hopper als Lieutenant an die Harvard University versetzt. Hier entwickelte sie zusammen mit anderen Forschenden Mark I, einen frühen Prototyp eines elektrischen Computers. Damals standen Computer noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung — es gab weder Programmierer noch Programmiersprachen. Auch optisch hatte Mark I mit heutigen Computern nicht viel gemeinsam: Das Gerät war über 16 Meter lang und über zwei Meter hoch. Nachdem eine Motte in die Schaltkreise von Mark I geflogen war, führte die Informatikerin den Begriff „Bug“ für Computerfehler ein. Diese Bezeichnung wird bis heute verwendet.

Nach Mark I war Grace Hopper maßgeblich an der Entwicklung von Mark II und Mark III beteiligt. Bis 1949 forschte die Amerikanerin an der Harvard University, danach wechselte sie zur Eckert-Mauchly Computer Corporation, wo sie einige Jahre blieb. Während dieser Zeit arbeitete sie an UNIVAC I, dem ersten kommerziellen elektronischen Computer.

Warum Grace Hopper heute noch als "Mutter der Programmiersprachen" gilt

1952 entwickelte Grace Hopper den ersten Compiler, ein Programm, das schriftliche Anweisungen in Codes übersetzt, damit der Computer die Befehle lesen und umsetzen kann. Die Informatikerin öffnete so ganz neue Möglichkeiten in der Computertechnik und gilt daher als „Mutter der Programmiersprachen“.

Mit Grace Hoppers Erfindung ist es heute recht einfach, Computer zu programmieren, wenn man die Programmiersprache beherrscht. Vor dem ersten Compiler gab es nur das viel umständlichere Binärsystem, bestehend aus Nullen und Einsen, mit dem programmiert wurd– so wie es zum Beispiel Ruzena Bajcsy noch tat.

1966 ging Hopper in den Ruhestand. Bereits im Jahr darauf holte die Navy sie aber wieder in den aktiven Dienst zurück, da die Informatikerin zum Lösen diverser Computerprobleme gebraucht wurde. Erst 1986 wurde sie endgültig in den Ruhestand entlassen. Als 80-Jährige im Rang des Flotillenadmirals war sie zu dem Zeitpunkt die älteste Person der USA, die sich noch im aktiven Militärdienst befand. Danach war sie als Beraterin für die Digital Equipment Corporation tätig. Dort blieb Hopper bis zu ihrem Tod am 01. Jänner 1992.

Commodore Grace M. Hopper, USNR Official portrait photograph
Mit achtzig ist noch lang nicht Schluss: Selbst im hohen Alter war Grace Hopper noch für die US-Marine tätig.

Ein wohlverdienter Spitzname: Grace Hopper wurde zu "Amazing Grace"

Für ihre Pionierleistungen auf dem Gebiet der Computer wurde „Amazing Grace“, wie sie von ihrem Team genannt wurde, mit über 90 Auszeichnungen geehrt. Unter anderem war sie eine der ersten Frauen, die in den USA mit der National Medal of Technology ausgezeichnet wurden. Ihr zu Ehren wird der Grace Murray Hopper Award verliehen, der an Menschen unter 35 Jahren für herausragende Leistungen in der Informationstechnik vergeben wird. Seit 1994 findet in den USA auch die Grace Hopper Celebration of Women in Computing statt, da die Informatikerin schon zu Lebzeiten besonders Frauen in ihrem Feld förderte.

Illustration von Stephen Hawking
Was tut sich denn da für ein schwarzes Loch hinter Stephen Hawking auf? Wäre er einem solchen jemals tatsächlich so nah gekommen, er hätte es bestimmt erforscht.

Stephen Hawking: Der wohl berühmteste Astrophysiker der Welt

Stephen William Hawking wurde am 08. Jänner 1942 in Oxford, England, geboren. Seine Eltern, ein Tropenmediziner und eine Wirtschaftswissenschaftlerin, bekamen in den darauffolgenden Jahren noch zwei Töchter und einen Adoptivsohn. Stephen verbrachte den Großteil seiner Jugend nördlich von London und begeisterte sich schon früh für Naturwissenschaften. Obwohl er ein cleveres Kind war, hatte er keine besonders guten Schulnoten.

Einfach genial: Auch ohne übermäßigen Fleiß war Stephan Hawking ein ausgezeichneter Student

Dem Willen seines Vaters nach hätte Hawking in seine Fußstapfen treten und Medizin an der renommierten Oxford University studieren sollen. Der junge Brite interessierte sich aber für Mathematik. Da es damals kein Mathematik-Studium am University College in Oxford gab, entschied er sich für ein Physik-Studium.

Eigenen Angaben zufolge war Hawking kein sonderlich fleißiger Student und tat nur das Nötigste. Trotzdem schloss er das Studium in Oxford mit Auszeichnung ab. Danach ging er an die Cambridge University, wo er 1965 den PhD in angewandter Mathematik und theoretischer Physik erlangte.

Bereits zu Beginn seines Studiums zeigten sich erste Symptome von Hawkings Erkrankung. Während seiner Zeit in Cambridge diagnostizierten Ärzte bei ihm eine Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Bei der lebensbedrohlichen Krankheit versagen langsam jene Nerven, die dafür zuständig sind, die Muskeln zu kontrollieren. Die Ärzte sagten dem Physiker voraus, dass er nur noch zwei Jahre zu leben hätte — erst kurz davor hatte er seinen 21. Geburtstag gefeiert.

Eine Diagnose, die alles änderte: Darum intensivierte Stephen Hawking seine Forschung

Die Aussicht, wahrscheinlich nicht einmal das Ende seines PhD-Studiums zu erleben, änderte alles. Stephen Hawking setzte sich fortan viel intensiver mit seinem Studium und seiner Forschung auseinander. Seit 1969 war er zwar auf den Rollstuhl angewiesen, danach verlangsamte sich der Verlauf seiner Krankheit aber.

1985 verlor Stephen Hawking seine Stimme und verständigte sich seitdem mit der markanten Computerstimme. Trotz aller Schwierigkeiten publizierte der Physiker diverse wissenschaftliche Abhandlungen und erlangte auch über das akademische Umfeld hinaus große Berühmtheit.

In seiner Forschung entwickelte Stephan Hawking verschiedene kosmologische Theorien, die sich u.a. mit der Raumzeit, Gravitation, der Quantentheorie und schwarzen Löchern befassen. Ein besonderer Durchbruch gelang ihm 1974, als er entdeckte, dass schwarze Löcher nicht sämtliche Informationen einsaugen, wie bisher angenommen, sondern dass Masse in Form von Strahlung der Anziehung eines schwarzen Lochs entkommen kann. Diese Strahlung wird ihm zu Ehren Hawking-Strahlung genannt.

Fotografie von Stephen Hawking bei einer Pressekonferenz in Frankreich
Trotz Krankheit phänomenal: Dieses Foto zeigt Stephen Hawking bei einer Pressekonferenz in Frankreich, wo er schon mittels Computerstimme kommunizierte. | Quelle: Wikimedia (lizenzfrei)

Nie vergessen: Stephen Hawking lebt in Büchern und Serien auch außerhalb universitärer Kreise weiter

Die breite Öffentlichkeit kennt Hawking vor allem wegen seiner populärwissenschaftlichen Büchern. 1988 veröffentlichte er sein bekanntestes Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“, in dem er seine Theorien zum Entstehen des Universums, zur Quantenmechanik und zu schwarzen Löchern leicht verständlich erklärt. Daneben hatte der Brite öfters Gastauftritte in bekannten Serien, wie „Star Trek: The Next Generation“, „Die Simpsons“ oder „The Big Bang Theory“.

Am 14. März 2018 starb Hawking im Alter von 76 Jahren an den Folgen seiner Krankheit. Aufgrund seiner Errungenschaften wurde seine Asche in der Westminster Abbey neben anderen großen Wissenschaftlern wie Charles Darwin und Isaac Newton beigesetzt. Schon zu Lebzeiten erhielt Stephen Hawking für seine wissenschaftlichen Leistungen zahlreiche Auszeichnungen, wie z.B. die Albert-Einstein-Medaille.

Quellenverzeichnis

Computer History Museum (o.J.): Oral History of Captain Grace Hopper, [online] https://web.archive.org/web/20171225202555/http://archive.computerhistory.org/resources/text/Oral_History/Hopper_Grace/102702026.05.01.pdf [24.04.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Grace Hopper, [online] https://www.britannica.com/biography/Grace-Hopper [24.04.2019].

Centre for Computing History (o.J.): Grace Murray Hopper [online] http://www.computinghistory.org.uk/det/1791/Grace-Murray-Hopper/ [24.04.2019].

National Women’s History Museum (2017): Grace Hopper [online] https://www.womenshistory.org/education-resources/biographies/grace-hopper [24.04.2019].

WHO’s WHO (o.J.): Stephen Hawking, [online] http://www.whoswho.de/bio/stephen-hawking.html [30.04.2019].

Spektrum der Wissenschaft (1995): Stephen Hawking. Die Biografie, [online] https://www.spektrum.de/magazin/stephen-hawking-die-biographie/822497 [30.04.2019].

Biography.com (2019): Stephen Hawking Biography, [online] https://www.biography.com/scientist/stephen-hawking [30.04.2019].

Hawking.org (o.J.): Stephen Hawking, [online] http://www.hawking.org.uk/about-stephen.html [30.04.2019].

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