Irmgard Jernej vom österreichischen Institut für Weltraumforschung

Was macht man als Technikerin in der Weltraumforschung? | 4 Fragen an Irmgard Jernej

Von LET’S TECH am 27.04.2021

Ein Satellit, der in den Weltraum fliegt. Zum Jupiter, zum Merkur, vielleicht auch hin zu einem Kometen. Weit, weit durchs All. Was gibt man so einem Satelliten mit ins Gepäck auf seine lange Reise? Irmgard Jernej weiß die Antwort. Oder besser: Sie entwickelt die Antwort. In ihrem Team baut sie gemeinsam mit anderen Expert*innen physikalische Messgeräte für den Weltraum. Wie das funktioniert und wie ihr Alltag als Technikerin in der Weltraumforschung aussieht, erzählt dir Irmgard Jernej hier!
Irmgard Jernej, Technikerin für Weltraumforschung, bei der Arbeit
Irmgard Jernej ist Technikerin in einem Team, das physikalische Messgeräte für den Weltraum baut – mit Schwerpunkt Material- und Bauteil­qualifikation, Test- und System­engineering. | Credits: IWF

1. Was macht man als Technikerin in der Weltraum­forschung bzw. in der (unbemannten) Raumfahrt?

Ich muss überprüfen, ob unsere Messgeräte den späteren Einsatz im Weltraum unbeschadet überstehen werden. Dazu gehören Tests bei großer Hitze und Kälte, Schütteltests, Tests im luftleeren Raum und manchmal auch Tests mit radioaktiver Strahlung.

Zusätzlich bin ich für die Auswahl der Materialien und Bauteile zuständig, die in den Weltraum fliegen sollen. Nicht alles, was auf der Erde verwendet werden kann, ist auch für den Einsatz im Weltraum geeignet und auch die Anforderungen sind je nach Satellitenmission unterschiedlich.

2. Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Einen richtig typischen Ablauf gibt es eigentlich nicht, den Arbeitstag muss ich mir selbst organisieren. Aber mein Tag beginnt auf jeden Fall damit, den Computer einzuschalten und die neuen Emails von unseren Projektpartnern zu lesen. Wenn man mit Institutionen auf der ganzen Welt zusammenarbeitet, trudeln rund um die Uhr Emails herein.

Nachdem ich zumindest alle dringenden Emails beantwortet habe, kann es theoretisch oder praktisch weitergehen. Ich arbeite zum Beispiel an einem Test- und Qualifikationsplan für optische Teile in einem Magnetfeld-Sensor, der zum Jupiter fliegen soll, ich hole Angebote für einzelne Tests, die wir nicht bei uns am Institut durchführen können, bei externen Firmen ein und lasse mir den Testplan von Expert*innen bei der ESA oder NASA genehmigen. Das ist natürlich nicht an einem einzelnen Tag fertigzustellen, da man Informationen und Rückmeldungen von vielen Leuten einbeziehen muss.

Irmgard Jernej, Technikerin für Weltraumforschung am IWF, bei der Arbeit.
Fürs richtige Testen braucht man die richtige Schutzkleidung. | Credits: IWF

Oder ich mache einen Testaufbau und suche alle nötigen Messgeräte, Kabel und mechanischen Teile zusammen, montiere sie, schalte sie zusammen und überprüfe, ob die Testdaten auch korrekt aufgezeichnet werden. Oft findet auch im Laufe des Tages eine Telefonkonferenz statt (manchmal auch mehrere), bei der mit Firmen, Partnerinstituten oder Raumfahrtagenturen wie ESA oder NASA über technische Details des Satelliten und unserer Messgeräte darauf diskutiert wird.

Manchmal kann es auch sein, dass ich eine Testkampagne im Ausland durchführen oder begleiten muss – meistens irgendwo in Europa, manchmal aber auch in Übersee (USA, Japan, China).

3. Welche Ausbildung braucht man für den Beruf Technikerin in der Weltraum­forschung?

Um in unserem Team mitarbeiten zu können, sollte man etwas von Elektronik verstehen – manche von uns haben an einer Technischen Universität Elektrotechnik studiert, andere haben, so wie ich, eine HTL für Elektronik oder Elektrotechnik besucht. Ich habe allerdings zuerst an einem sprachlichen Gymnasium maturiert und erst danach meine technische Ausbildung begonnen.

Auch Teresa Jagiello war hat das Gymi abgeschlossen, bevor sie in die Technik ging hier erfährst du, wie es ihr als Mädel im Verfahrens­technik­studium ging!

Irmgard Jernej vom IWF bei der Arbeit
Vom Gymi in die Weltraumforschung? Ja, das geht! Irmgard Jernej hat es getan – und vielleicht stehst hier auch irgendwann du im weißen Mantel? | Credits: Klaus Pichler / ÖAW

4. Was findest du an deinem Beruf am schönsten?

Es wird einem sicher nicht langweilig, da man immer wieder vor neuen Aufgabenstellungen steht. Eine Mission zum Jupiter ist anders als ein Flug zum Merkur –  und den kann man wiederum nicht mit einer Landung auf einem Kometen vergleichen.

Man lernt viele Länder und Menschen aus unterschiedlichen Kulturen kennen. Ein Highlight in meiner beruflichen Laufbahn war sicher, dass ich in Cape Canaveral am Raketenstartplatz der NASA arbeiten konnte und dann auch den Start „unseres“ Satelliten zum Saturn live miterleben durfte.

Am meisten aber liebe ich an meinem Beruf, dass er ganz sicher kein Beruf für Einzelkämpfer ist. Viele Menschen aus vielen verschiedenen Ländern müssen einige Jahre lang sehr intensiv zusammenarbeiten, damit so ein Satellit für den Weltraum überhaupt gebaut werden kann. Das gemeinsame Ziel verbindet alle Beteiligten und der schönste Lohn ist, wenn das Messgerät, das man jahrelang geplant, gebaut und getestet hat, dann Daten vom Jupiter oder anderen fernen Welten nach Hause sendet und uns hilft, unser Universum ein bisschen besser zu verstehen.

Irmgard Jernej arbeitet am Institut für Weltraumforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Graz. 

Irmgard Jernej, Technikerin für Weltraumforschung am IWF, bei der Arbeit
Hier braucht's nicht nur Wissen, sondern auch Fingerspitzen­gefühl. | Credits: Daniel Hinterramskogler / ÖAW

Titelbild-Credits: Klaus Pichler / ÖAW.

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