Illustration von Ada Lovelace und Emily Warren Roebling

Ada Lovelace und Emily Warren Roebling | Frauen in der Technik

Von LET’S TECH am 27.04.2021

Technik ist nur für Männer? Von wegen! Ada Lovelace und Emily Warren Roebling zeigen, dass diese Klischee schon im 19. Jahrhundert alles andere als der Wahrheit entsprach. Wie die beiden in die Technik kamen und wofür sie heute noch gefeiert werden, erfährst du im Blog!
Illustration von Ada Lovelace
Berechnen und entwerfen: Dafür interessierte sich Ada Lovelace schon in jungen Jahren.

Ada Lovelace: Die Mathematikerin, die das erste Computerprogramm der Welt entwickelte

Augusta Ada King, Countess of Lovelace, kam am 10. Dezember 1815 in der britischen Hauptstadt London zur Welt. Sie war die Tochter der Adeligen Anne Isabella Milbanke und des berühmten Dichters Lord Byron. Ihre Eltern trennten sich kurz nach ihrer Geburt. Der Vater starb als Lovelace noch ein Kind war, deshalb lernte sie ihn nie kennen.

Je komplexer, desto Besser: Ada Lovelace war seit jeher von der Mathematik fasziniert

Ada Lovelaces Mutter hegte aufgrund ihrer eigenen Ausbildung eine große Leidenschaft für Naturwissenschaft, deshalb erhielt ihre Tochter eine strenge mathematische Erziehung. Die junge Britin hatte damit aber kein Problem, ganz im Gegenteil: Als Kind und als Jugendliche zeigte sie ein großes Talent für Mathematik, begeisterte sich für Maschinen aller Art und entwarf sogar selbst Flugmaschinen und Schiffe. Da Frauen damals noch nicht studieren durften, wurde Lovelace von Uni-Professoren privat unterrichtet. Mit ihren Fähigkeiten stand sie ihren männlichen Kollegen in nichts nach.

Im Alter von 17 Jahren lernte Ada Lovelace den Mathematiker und Erfinder Charles Babbage kennen. Aufgrund ihrer gemeinsamen Interessen freundeten sich die beiden schnell an und begannen mit einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Babbage erfand Rechenmaschinen und arbeitete an Plänen für die sogenannte „Analytical Engine“, die in der Lage sein sollte, verschiedenste komplexe Berechnungen zu lösen. Von dieser Erfindung war die Mathematikerin besonders angetan.

Ab in die zukunft: Ada Lovelace sah die Funktionsweisen von Computern schon im 19. Jahrhundert vorher

1842 hielt Babbage an der Universität Turin einen Vortrag über die „Analytical Engine“, woraufhin ein italienischer Mathematiker einen Artikel über die Erfindung für ein Wissenschaftsjournal verfasste. Babbage bat Ada Lovelace, den Artikel ins Englische zu übersetzen und selbst Anmerkungen hinzuzufügen.

Diese Anmerkungen sind es, weswegen Ada Lovelace heute so berühmt ist. Nicht nur verdoppelte sie die Länge des Artikels, sondern stellte für die damalige Zeit visionäre Überlegungen zur Anwendung der „Analytical Engine“ an. So beschrieb sie beispielsweise, dass Rechenmaschinen in der Lage sein könnten, nicht nur Berechnungen anzustellen, sondern beispielsweise auch Musik zu spielen und Texte zu erstellen – was für heutige Computer selbstverständlich ist. 

Wasserfarbenporträt von Ada Lovelace, gemalt von Alfred Edward Chalon um 1838
Was für ein Kunstwerk: So malte Alfred Edward Chalon die junge Ada Lovelace um 1838. Ob sie statt dem Fächer wohl lieber ein Lineal in den Händen gehalten hätte?

Informatik ohne Computerprogramm? Ada Lovelace schrieb einfach selbst eines!

So arbeitete die Britin als Erste den Unterschied zwischen einer reinen Rechenmaschine und einem Computer heraus. Außerdem entwickelte sie eine Möglichkeit, die Maschine zu programmieren. Sie gilt daher als die erste Person weltweit, die ein Computerprogramm schrieb.

Als „Mutter der Programmiersprachen“ gilt aber eine andere Forscherin – wer das ist, das verraten wir dir hier!

Zu Lovelaces Lebzeiten wurde die „Analytical Engine“ nie gebaut. Einerseits bekam Babbage keine finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt, andererseits war die Feinmechanik damals noch nicht weit genug entwickelt, um die benötigten Teile herzustellen. Die Mathematikerin starb am 27. November 1852, vermutlich an Gebärmutterhalskrebs. Sie wurde nur 36 Jahre alt.

Ada Lovelaces wissenschaftliche Errungenschaften gerieten lange Zeit in Vergessenheit, bis ihr Werk in den 1950ern wiederentdeckt wurde. Mittlerweile wird sie als Pionierin der Informatik gefeiert und tritt in zahlreichen Büchern, Comics, Filmen und Serien in Erscheinung. Ihr zu ehren wird am zweiten Dienstag im Oktober der „Ada Lovelace Day“ gefeiert, um die Leistungen von Frauen in Naturwissenschaft und Technik zu würdigen.

Illustration von Emily Warren Roebling
Die Frisur ähnelt der von Ada Lovelace – doch die Interessen lagen bei Emily Warren Roebling woanders.

Emily Warren Roebling: Chefingenieurin der Brooklyn-Bridge

Emily Warren Roebling wurde am 23. September 1843 in Cold Spring, USA, als das zweitjüngste von zwölf Kindern geboren. Ihre Eltern starben als sie noch eine Jugendliche war, deshalb kümmerte sich der älteste Bruder um alle Familienangelegenheiten. Er ermöglichte seiner Schwester, die immer schon sehr wissbegierig war, eine gute Ausbildung.

Eine Hochzeit mit Folgen: Emily Warren Roeblings Ehe bahnte den Weg für ihre Zukunft

Während des amerikanischen Bürgerkrieges lernte Emily Warren Roebling ihren späteren Ehemann, den Brückeningenieur Washington Augustus Roebling, kennen. Das Paar heiratete 1865 und die Amerikanerin stürzte sich mit Begeisterung in das Familiengewerbe ihres Mannes. Dieser bekam nach dem Tod seines Vaters die Bauleitung für die Konstruktion der Brooklyn Bridge übertragen. Seine Frau ernannte er zu seiner Assistentin.

Das Fundament der Brücke musste unter Wasser gesetzt werden, darum litten zahlreiche Arbeiter, darunter auch Emily Warren Roeblings Ehemann, an der Dekompressionskrankheit, auch Taucherkrankheit genannt. Er erblindete, war teilweise gelähmt und ans Bett gefesselt – viele andere starben sogar daran. Die Suche nach einem neuen Chefingenieur war schwierig, da in der fortgeschrittenen Phase des Baus niemand sonst über das nötige Spezialwissen verfügte. Das ganze Projekt war gefährdet.

Durch Zufall ganz nach oben: Emily Warren Roebling wurde inoffizielle Chefingenieurin

Dann erklärte Emily Warren Roebling sich dazu bereit, den Job zu übernehmen. Sie hatte zwar keine technische Ausbildung, hatte aber viel von ihrem Mann gelernt, absolvierte ein Fernstudium und eignete sich den Rest im Selbststudium an. Bei wichtigen Entscheidungen beriet sich die Ingenieurin mit ihrem Ehemann, soweit es seine Gesundheit erlaubte. Offiziell hatte die Leitung trotzdem er inne, da so anspruchsvolle Aufgaben Frauen zu der Zeit nicht zugetraut wurden.

Insgesamt arbeitete Emily Warren Roebling 14 Jahre lang an der Brooklyn Bridge. Sie wurde am 24. Mai 1883 eröffnet und galt damals als das „achte Weltwunder“. Die Amerikanerin durfte im Zuge der Eröffnungsfeier als erste Person die Brücke überqueren. Selbst damals, als die Leistungen von Frauen nur wenig gewürdigt wurden, erhielt sie viel Anerkennung für ihre Verdienste.

Nach Fertigstellung der Brücke blieb Emily Warren Roebling weiter umtriebig. Sie studierte Rechtswissenschaften an der New York University und wurde mit 56 Jahren eine der ersten Anwältinnen New Yorks. Die Amerikanerin reiste viel und traf auf einige berühmte Persönlichkeiten, darunter sogar Queen Victoria. Emily Warren Robeling starb am 28. Februar 1903 an Magenkrebs. Sie wurde 59 Jahre alt. Heute erinnert eine Bronzeplatte an der Brooklyn Bridge an die Ingenieurin.

Porträt von Emily Warren Roebling um 1896
Imposant: So sah Emily Warren Roebling nicht nur aus, so lebte sie auch ihr Leben. | Quelle: Wikimedia (lizenzfrei)

Quellenverzeichnis

Ignotofsky, Rachel (2016): Women in Science — 50 Fearless Pioneers Who Changed the World, New York: Penguin Random House, S. 17.

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Findingada.com (o.J.): Ada Lovelace: Victorian Computing Visionary, [online] https://findingada.com/shop/a-passion-for-science-stories-of-discovery-and-invention/ada-lovelace-victorian-computing-visionary/ [13.08.2020].

Universität Magdeburg (2015): Adas Leben, [online] http://www.ada-lovelace-informatik.de/leben/ [13.08.2020].

Mackenzi Lee (2019): KICK-ASS WOMEN – 52 Wahre Heldinnen, Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 83.

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Emily Warren Roebling, [online] https://www.britannica.com/biography/Emily-Warren-Roebling [13.08.2020].

American Society of Civil Engineers (o.J.): Emily Warren Roebling, [online] https://www.asce.org/templates/person-bio-detail.aspx?id=11203 [13.08.2020].

The New York Times (2018): Emily Warren Roebling, [online] https://www.nytimes.com/interactive/2018/obituaries/overlooked-emily-warren-roebling.html [13.08.2020].

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